Das Städtische Wasserwerk Kettwig in der Bachstraße, 1886-1983
(stillgelegt, seit 1987 Atelier des Bildhauers Wolfgang Liesen).
Bis zum Jahr 1886 war die Stadt Kettwig in ihrer Wasserversorgung von den Brunnen der Kammgarnspinnerei J.W.Scheidt abhängig. Lageplan dieser Brunnen übersandt von StUA Duisburg
Das städtische Wasserwerk wurde 1886 von Ludwig Disselhoff in Hagen (Entwurf und Bau-leitung) errichtet. In der Nähe der Eisenbahn Kettwig-Düsseldorf und ganz nahe der Breder-bach-Mündung wurde ein erster Tiefbrunnen mit 3 Meter Duchmesser niedergebracht. Im Maschinenhaus wurden zwei gasbetriebene Pumpensätze aufgestellt. Im Sommer 1908 trat ein Zylinderdefekt ein, der die Aufstellung eines weiteren Maschinensatzes und den Einbau eines Laufkrans (noch vorhanden) erforderlich machte. Für 6742 Personen (1910) in Kettwig-Stadt förderte das Wasserwerk im Jahre 1910: 251 m³ pro Tag oder 37 Liter pro Tag und Einwoh-ner. Im besonders trockenen Jahr 1911 wurde am 22 Juli die höchste Pumpenleistung dieses alten Wasserwerks ermittelt: 1024 m³ am Tag oder 152 Liter pro Kopf.
Städt. Verwaltungsbericht 1908-13 „Kettwig Stadt und Land“, Stand: 31.3.1913, S.133-136 mit Leistungstabellen
Dieses Wasserwerk ging 1942 über in den Besitz der RHENAG (Mülheim). Damals bestanden drei Brunnen: Der 1889 niedergebrachte Schachtbrunnen B1 mit einer Tiefe von 7,25 Meter, ein Heberbrunnen B2 von 1946 (7,55 m tief) und der Heberbrunnen B3 von 1957 (8,85 m tief). Die Brunnen B2 und B3 lagen auf Pachtland von Klein-Schlatter. Die Rhenag erwarb dieses Gelände 1963 und brachte statt des Brunnens B2 einen Brunnen B2a im Jahr 1966 nieder. Das Wasser wurde noch im Jahr 1967 ohne Aufbereitung genutzt. Damals beantragte die Rhenag eine Tagesentnahme von 4000 m³.
Um den Antrag der Rhenag auf ihr Wasserrecht entspann sich ein zäh verlaufendes Verfahren. Im Jahr 1959 war der unmittelbar benachbarten CFKS ein Wasserrecht auf 600 m³ täglich problemlos bewilligt worden. Antrag und Urkunde CFKS 1957/59.
Die Rhenag hatte die Kettwiger Bürger durch braunes Trinkwasser verärgert und zugleich die Preise erhöht. Das führte im Januar 1965 zu einer turbulenten Ratssitzung. Die Rhenag erklär-te, es sei lediglich eine Brunnenwand eingestürzt. Der Rat wies auf Kooperationsmöglichkeiten mit RWW (Kettwig vor der Brücke) und Krupp (Werden) hin. In der Folge verzögerte sich die Genehmigung des Regierungspräsidenten, zumal die Betriebe Scheidt und Markmann & Moll sich durch die Ausweitung der Schutzzonen in ihrem Bestand bedroht sahen. Die Argumen-tation dieser Firmen wurde durch drei große wasserhygienische Gutachten gestützt, in denen auf die Ölbestände der Firmen, auf die Belastung durch die Bahn und durch den nahebei mündenden Brederbach hingewiesen wurde.
Hygiene-Institut Gelsenkirchen, Gutachten HAACK betr. Wasserrechte der Rhenag zum Betrieb des Städt. Wasserwerks Bachstraße. 39 S. + graph. u. tabellarische Anlagen, 13.1.1962 ; Ergänzungsgutachten zur Wasserhygiene HAACK in Schleiden am 16.12.1968, 37 S.+7 Abb. ; Ergänzungsgutachten Wasserhygiene von TASCH / BÜTTNER, 12.3.1969.
Das Wasserwerk Bachstraße wurde im September 1983 geschlossen, nachdem es seit etwa 1973 nur noch als Reservewasserwerk beibehalten war. Die Stadtversorgung war längst auf das Krupp-Wasserwerk mit Wasser aus dem Wolfsbachtal übergegangen.
Was in allen Diskussionen um die Trinkwassergewinnung für Kettwig schamhaft verschwiegen oder umgangen wurde, war die Frage der Abwasserbehandlung. Dabei ist besonders befremd-lich, dass die Kläranlage in unmittelbarer Nähe des städtischen Wasserwerks Bachstraße gebaut wurde.
Alle Akten sind im Besitz der „Kettwiger Museums- und Geschichtsfreunde e.V.“
