"Kettwig am Santiagoweg"
von Schweden nach Spanien


11. Kettwiger Santiagotag, November 2007

Nach dem 11. Kettwiger Santiagotag am 21.11.2007 haben Hans Gerd Engelhardt und Hannes Kiebel ein neues Heft "Sankt Jakobus zwischen Ostsee und Maas - Kettwig am Jakobusweg" (112 Seiten + Ortsregister) erstellt. Es kann zum Unkostenbeitrag von 8 € bei uns angefordert werden.

KETTWIG: *BRÜGGEMANN, Adolf: Geschichte der evangelischen Gemeinde Kettwig, 1.Aufl. 1910, 2. Aufl.1937

Auf das Haus Ruhrstraße 22 am ehemaligen Steinweg bezieht sich eine vermögensrechtliche Untersuchung aus dem dreißigjährigen Krieg, die uns Pfarrer BRÜGGEMANN (²1937) in seiner Geschichte der evangelischen Gemeinde darstellt. Drei uralte Zeugen, 97, 95 und 80 Jahre alt, wurden am 23. Mai 1634 befragt nach dem Kirchenbesitz am Steinweg und nach der Person des Vikars Rutger Hommelberg genannt Joenen. Von Rutger Hommelberg erfahren wir an anderer Stelle, daß er 1515 berufen wurde, um die schon seit längerem bestehende Vikarie zum Heiligen Kreuz und »Jakobus des Groten« zu versehen. Als 1526 die Witwe Dorothea des Herrn von Schloß Landsberg, Lutter von Ellner, die Ausstattung dieser Vikarie mit dem Ertrag von fünf Bauernhöfen bestätigte, war das Haus Ruhrstraße 22 als Vikarswohnung soeben errichtet worden. Dieses Grundstück, zugleich bewohnt von Kirchmeister Johann Joene (so 1511/1528), wird als die eine Hälfte des »Groten Hofs« bezeichnet. Die andere Hälfte gehörte dem Spital Sankt Sebastian oder »Gastes« und lag östlich der Ruhrstraße (heute Häuser 3, 5 und 7, Steinweg 3 und 5, Haupthaus Ruhrstraße 51 im 19. Jhd. abgerissen).

Im Verhör bezeugten die drei alten Männer - wenn wir zurückrechnen, waren sie 1537, 1539 und 1554 geboren - , der Vikar Hommelberg habe auf dem Grotenhof gewohnt und habe »Meß gethan erst in der Kirche, darnach in der Gasthaus-Capellen und endtlich in seynem Hauß aufm Grotenhof«. Nach seinem Tode (1555) habe der Küster des später evangelischen Pfarrers Kremer in diesem Hause gewohnt.

Der ursprünglich geschlossene Besitz »Groten Hof« (auch »Grottenhoff« oder »em Höffken« später Tuchfabrik Thanscheid) war merkwürdig klein und lag eingezwängt zwischen drei großen Bauernhöfen. Er kann deshalb nur benannt worden sein nach Sankt Jakobus dem Groten. Sein Kern war zu-nächst das Gasthaus (ohne Namen), das schon 1358 bestand. Die Sebastianuskapelle wird erstmals 1498 genannt. Das paßt zeitlich zu einer Anordnung des Kölner Erzbischofs von 1475, die Spitalpflege während der Pest verstärkt im Namen des Heiligen Sebastian zu betreiben.

(Anm.-text):

Brüggemann hat in seiner Geschichte der evangelischen Gemeinde Kettwig (19l0/1937) die plattdeutsche Form "Jakobus der Grote" genannt. Hochdeutsch heißt es natürlich "der Große", aber im Verhör über die Jakobusvikarie 1634 in Kettwig wird platt gesprochen. Die Benennung "der Große" kommt auch in Niedersachsen vor. In Frankreich heißt es bisweilen "St. Jacques le Grand", so auf einem Votivbild, abgedruckt bei Barral 1993. Dagegen darf in den Niederlanden der Begriff "Grote Kerk" nicht auf Jakobus den Groten angewandt werden. Die "Grote Kerk" in den Haag ist eben die Hauptkirche der Stadt, also die "Große Kirche", obwohl dem Heiligen Jakobus geweiht, der bei Hansestädten sonst an dritter Stelle steht.

*Engelhardt: Drei große Höfe in Alt-Kettwig und der "Grote Hoff" am Steinweg, in: 100 Jahre Heimat- und Verkehrsverein Kettwig, 1990

*STEINBERGER und Bettecken: Auf der Höhe, Filialkirche Sankt Matthias. 1977

(* = Sammlung der Museumsfreunde Kettwig)

Hannes Kiebel (BO) hat unsere Sammlung ergänzt durch Hinweis auf vier Altäre in der Kettwiger Kirche am Markt, vier Geistliche des 16. Jhds.: P.JACOBS in *Beitr.z.Gesch.Stift Werden 12,1907, Fußnote 137: Demnach sei Ruttger Hummelberg etwa 30 Jahre lahm gewesen, habe auf Krücken die Hl.Messe gelesen und sei 1574 gestorben. Im gleichen Heft von 1907 das Zeugenverhör aus dem Jahr 1634.

In P.JACOBS "Werdener RKG-Klagen" (Beitr.z.Gesch.d.Stifts Wd.8,1901) wird der Prozessvorgang um Oberselbeck - erst vor dem Gericht Homberg, dann vor dem Hauptgericht zu Kreuzberg (siehe Kaiserswerth), dann vor dem Hofgericht Düsseldorf und schließlich vor dem Reichskammergericht dargestellt. Schön ist der Prozessbeginn: Der Homberger Richter geht mit zwei Schöffen nach Werden, "haben daselbst anfangs mit Herren gegentheilen gezecht und sich zuvor übermeßig beweinet und darnach vermeindtlich ein und anderes ex archivo domini abbatis extrahirt".

Dann wird ein Zeugenverhör vor dem Hofgericht in Düsseldorf vor 1596 zitiert, in dem nach den vier Altären in Kettwig gefragt wird. ( Antworten werden in der Frage mitgeliefert !) Zeuge Wilhelm zu Selbeck, 32, weiß gar nichts. Zeuge Bertram zu Selbeck,85, erinnert sich an 10 Albus und 2 Hühner an Rutger (Hummelbergh), an 4 Altäre, aber "alle Altäre in der Kirche zu Kettwich seien bis auf einen abgebrochen". Zeuge Wilhelm auf dem Siegendam, um 70, vormals Overselbeck: Ruttger habe 10 Albus empfangen von seinem Bruder Tiell, der vor 30 Jahren gestorben (gemeinsamer Vater: Goddard); der Nachfolger Tiells, Albert, habe nicht gezahlt. Vier Altäre: Johannis, Liebfrauen, Annen und unbekannt. "Vor 40 Jahren habe er die Kirche sehen brennen und so nahe dabei gestanden, dass er die Glocken hören fallen".

Zeuge Joh.Wildt, 94, war Knecht auf Oberselbeck und nennt die vier Priester: Herr Lewe, Herr Johann vom Bickell, Herr Ruttger und Herr Johann Buchelmans. Es seien vier Altäre in der Kirche und einer in der Gerkamer gewesen. Er erinnert sich auch an den Kettwiger (Vieh?)-markttag "uff Sacramentsavend".

Wir können annehmen, dass in der Petrus-Kirche Kettwig der Hauptaltar Liebfrauen und Petrus, die Nebenaltäre Johannes, Anna und Jacobus geweiht waren. Rätselhaft ist die Aussage vom Altar "in der Gerkamer" (entweder Rüstkammer = Sakristei oder ein eigener Bau, evtl. die Jacobusvicarie, zur Zeit der Zeugenaussage wohl schon Küsterei, später Schule). Wichtig ist auch der Hinweis auf den Kirchenbrand um 1556; dazu passt die für Pfr. Herm.Cremer gegossene Uhrglocke : Glockeninschrift von 1565

Neu in Kettwig: Haus Künnemann, Hauptstraße 46: Jakobuswand von Schieferdeckermeister Erhard Solle : Muschel, Pilgerstäbe, Kalebasse, Schwert, Kreuz und Herz als Fassadenbild. in: Kettwig-Kurier 10.7.1997. Am gleichen Haus eine Jakobus-Statue von Marian Pavalzyk , in: *WAZ/NRZ Stadtteilzeitung Kettwig 23.8.1997

 

Nächster (14.) Santiagotag am Mi. 17.11.2010!